Erdgasspeicher kontra Naturschutz

In der Nähe der Emsmündung soll ein Erdgaspeicher entstehen, wogegen sich Naturschützer wehren. Dort nämlich befindet sich ein Vogelreservat. Nun könnte man einwenden, was denn ein unterirdischer Speicher mit dem oberirdischen Naturparadies zu tun hat? EWE und Wingas wollen die Salzstöcke anbohren und Wasser aus der Ems einleiten, damit Hohlräume ins Salzgestein gewaschen werden können und somit Platz für das Erdgas ist. Nach erfolgreicher Arbeit soll dass Wasser über eine unterirdische Pipeline zurück in die Ems gepumt werden. Dann allerdings ist aus dem Wasser eine stark salzhaltige Brühe geworden. Der Naturschutzbund (NaBu) Niedersachsen hat dagegen Klage eingereicht. Ergasspeicher dienen als Zwischenspeicher für saisonal bedingte Nachfrageschwankungen. Weil im Winter mehr Gas verbraucht wird als im Sommer, die Lieferung aber konstant ist, muss ein Speicher her. Das in ganz Europa tätige Wingas sieht wachsenden Bedarf an Speichern, weil der Verbrauch in Zukunft ansteigen werde. Der Energieversorger beliefert Stadtwerke, regionale Gasversorger, Industriebetrieber und Kraftwerke in Frankreich, Großbritannien und Österreich, um nur einige Empfängerländer zu nennen.

Der Ort des Geschehens

Ort des Streitsgegenstandes ist die sich im Landkreis Leer befindene Gemeinde Jemgum. Insgesamt 18 Speicherhöhlen, sogenannte Kavernen, mit einem Fassungsvermögen von 1,2 Milliarden Kubikmetern, sollen geschaffen werden. Bis 2011 sollen die Speicher eingerichtet sein. Im Dezember 2006 waren in Deutschland 19,1 Milliarden Kubikmeter gespeichert, wovon 12,4 Milliarden m³ auf Porenspeicher und 6,7 Milliarden m³ auf Kavernen entfielen.

Beeinträchtigung des Schutzgebiets

Mit der Schaffung der Kavernen im Rheiderland westlich der Ems würden auf den von den Vögeln aufgesuchten Wiesen Bohrtürme und Betriebsgebäude errichtet. Hinzu kämen Bau- und Straßenverkehrslärm, wie Vorstandsmitglied Eick von Ruschkowski vom Nabu Niedersachsen mitteilt. Nonnen-, Bless-, Saat- und Graugänse würden tagsüber beim Grasfressen gestört werden, weiß der Ornithologe Helmut Kruckenberg zu berichten.

DIe Pläne von EWE und Wingas

Wingas und EWE haben bereits den Baubeginn verlauten lassen. Dieser Schritt ist möglich, weil das Rheiderland ein faktisches Vogelschutzgebiet ist, also noch nicht vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover als Schutzgebiet ausgewiesen worden ist. Bis zur Erhebung zum Naturschutzgebiet dürfen nur Baumaßnahmen durchgeführt werden, die das faktische Schutzgebiet nicht erheblich beeinträchtigen, kann man von Klaus Söntgerath, der am Genehmigungsverfahren beteiligt ist, erfahren. Die Schaffung von Ausgleichsflächen wäre für Wingas und die EWE ein Mittel der Durchsetzung ihrer Pläne, wenn dem Vogelschutzgebiet attestiert werden würde, dass durch den Bau das Schutzgebiet erheblich beeinträchtigt wäre.