Europa und das Gas
Wenn die Europäer nicht anfangen, sich nach anderen Gasanbietern umzuschauen, werden sie sich immer mehr in die Abhängigkeit Russlands begeben. Schon jetzt stammt der größte Teil, nämlich 121,43 von ca. 300 Milliarden Kubikmetern, aus Russland. Der Wille zum Umdenken ist vorhanden, wie man an dem Bau der Nabucco-Pipeline und anderen Projekten erkennen kann. Lieferverträge mit anderen Ländern werden lanciert und abgeschlossen.
Russlands Präsenz
Währenddessen ist Russlands Staatspräsident Dmitrij Medwedjew an der Bildung eines Gaskartells nach dem Vorbild der OPEC bestrebt. Da es hierbei nicht so richtig voran geht, kauft der russische Staatskonzern Gazprom einfach alles auf. Medwedjew war übrigens vor seiner Bekleidung des höchsten Staatsamtes im Management des Gasriesen tätig. So umgarnt Russland z.B. Aserbaidschan, welches auf der EU-Rechnungs steht. Lybyen erhielt vom Gazprom-Chef Alexej Miller das Angebot, alle Gas- und Ölexporte zum Markpreis ohne Rabatt abzukaufen. In Algerien durchkreuzen die Russen eventuell europäische Pläne, zwei neue Piplines zu bauen. Im Umgang mit dem Iran spielen dessen Öl- und Gasvorkommen eine Rolle. Schließlich gehört dieser Staat mit zu denen mit den meisten Ressourcen. Ein Grund, weshalb Medwedjew wahrscheinlich auch schon dort vorstellig geworden ist. Gazprom spricht ganz offen über zu erwartende Preise. So solle laut Gazprom-Chef Miller von einem Preis von 1.000 € je 1.000 m³ ausgegangen werden, wenn sich die Entwicklung auf dem Gasmarkt so fortsetzt. Das entspräche einer Vervierfachung des heutigen Preises.
Die Situation hierzulande
In diese Jahr hat es bereits sechs Preiserhöhungen gegeben, von denen die letzte die höchste war. So sollen 103 der etwa 750 Gasanbieter in Deutschland ihre Preise zum 1. September um durchschnittlich 17,7% anziehen. Bis Jahresende ist mit einer bundesweiten Gaspreiserhöhung von etwa 20% zu rechnen. Die letzte Preisrunde machte sich regional unterschiedlich stark bemerkbar. Nordrhein-Westphalen hatte am meisten darunter zu leiden. Da hilft nur Energiesparen. Als Mieter hat man da schlechte Karten, weil man auf Eigeninitiative keine baulichen Maßnahme vornehmen kann.