Wieso der Gas- an den Ölpreis gekoppelt ist

Jedes mal, wenn die Gaspreise in Deutschland steigen, wird die Koppelung des Gas- an den Ölpreis thematisiert. So auch wieder bei den jüngsten Ankündigungen steigender Energiekosten. Die Versuche, davon Abstand zu nehmen, reichen nicht weit zurück. Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder forderte angesichts steigender Öl- und Gaspreise 2005 die Trennung beider Preise. Das Bundeskartellamt schritt ebenfalls zur Tat und nahm die Bindung unter die Lupe. Geändert hat es an der Situation nichts. Kritiker betonen, dass die Koppelung die Preise steigen lasse, Befürworter unterstreichen die mit der Koppelung verbundene Versorgungssicherheit.

Hintergrund

Die Ölpreisbindung geht zurück bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Sie beruht auf Vereinbarungen zwischen deutschen Importgesellschaften wie Wingas und Eon Ruhrgas und den Lieferanten aus den Niederlanden, Norwegen und Russland. Die Ölpreisbindung besagt, dass die Erdgasproduzenten die Preise mit einem Abstand von einem halben Jahr an die des Ölpreises anpassen. Wichtigstes und bereits angeführtes Argument der Erdgaswirtschaft ist die Versorgungssicherheit. Auf Seiten der Gasproduzenten besteht Interesse an der Einnahmesicherheit. Die Einnahmesicherheit sei nötig für die Investionen, die bei der Erschließung und Förderung der Erdgasvorkommen getätigt werden müssten. Ein weiterer Vorteil für die Kunden bestehe darin, dass die wenigen Erdgasförderer bei sinkenden Ölpreisen die Gaspreise nicht hoch halten könnten, so der Bundesverband der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft, auch BDEW genannt.

Heutiger Stand

Das Kartellamt kann die Gaswirtschaft wegen der Preisbindung nicht belangen. Es liegt allein an ihr, diesen Zustand zu ändern. Jedoch wird der Gasmarkt vom Kartellamt aufmerksam beobachtet, registriert doch das Amt die Gaspreisgestaltung nach wie vor. Länder wie Großbritannien, das länger über eigene Gasvorkommen verfügte, haben die Koppelung abgeschafft. Trotzdem ist dort das Gas keineswegs billiger zu haben als in Deutschland.